Habe gerade einen kurzen Beitrag zum Monatsspruch Juni für unseren Gemeindebrief verfasst. Weil er gut zum Thema unseres Blogs passt, veröffentliche ich ihn hier schon mal vorab.
Monatsspruch Juni
Petrus sprach: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. Apostelgeschichte 10,34-35
Auch wenn die großen Wellen abgeebbt sind, es wird nach wie vor diskutiert: das Antidiskriminierungsgesetz. Niemand soll wegen seiner Herkunft, seines Geschlechts, seines Alters, seiner Religion oder Weltanschauung, seines gesundheitlichen Zustands, usw. benachteiligt werden. Seit 2006 ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetzt in Kraft, doch immer wieder werden Forderungen von Verbänden und vor allem der EU-Kommission laut, weitergehende Maßnahmen gegen Diskriminierung zu ergreifen. Sicher kann man sich über den Sinn oder Unsinn eines solchen Gesetzes streiten. Doch eins ruft die ganze Diskussion in Erinnerung: Wir tendieren dazu, Menschen, die anders sind als wir, mit Vorbehalten zu begegnen. Mitunter lassen wir sie das auch deutlich spüren. Zugleich schließen wir uns gern mit Leuten zusammen, die so ähnlich „ticken“ wie wir. Die Grenze dieser Gruppen ist für „andersartige Menschen“ oft undurchlässig.
Und: Meistens passiert das alles gar nicht bewusst. Es steckt einfach tief in uns drin.
Petrus war bereits 3 Jahre bei Jesus in die Lehre gegangen. Unzählige Male konnte er miterleben, wie der Sohn Gottes sich gerade für die Zeit nahm, auf die andere nur verächtlich herabblickten. Ein Rabbi gab sich mit Prostituierten ab! Trotzdem musste Gott noch eine Menge Überzeugungsarbeit leisten (inklusive einer Vision und einer Stimme aus dem Himmel), ehe der Apostel kapierte, dass der Weg zu Gott wirklich jedem Menschen offen steht.
Gott ist es egal, ob jemand Jude ist oder Grieche, Deutscher oder Vietnamese. Seine Familie umfasst Menschen aus allen Nationen. Die einzige Bedingung ist, Gott als Gott anzuerkennen und seine Maßstäbe zu akzeptieren.
Die weltweite christliche Mission zeigt, dass sich die revolutionäre Erkenntnis des Petrus durchgesetzt hat. Doch wie sieht es in unserem eigenen Land aus? Soziologen sprechen davon, dass sich unsere Gesellschaft in 10 Milieus aufsplittert. Es gibt sozusagen 10 „Sorten“ von Menschen in Deutschland: Traditionelle und Moderne, Intellektuelle und Materialistische, usw. Auch wir Christen gehören zu einem bestimmten Milieu. Doch erstaunlicherweise trifft man in den Kirchen und Gemeinden unseres Landes 7 dieser 10 „Sorten“ überhaupt nicht an. Menschen, aus bestimmten Milieus finden einfach keinen Zugang zu christlichen Gruppen und Veranstaltungen. Lässt sich das nur darauf schieben, dass sie alle nicht wollen?
„Gott will Menschen aus allen Völkern!“ – diese Erkenntnis führt im Neuen Testament nicht dazu, dass die Christen darauf warten, dass plötzlich unbekannte Gäste ihre Gottesdienste besuchen. Vielmehr machen sie sich auf den Weg zu denen, die ganz anders sind als sie. Petrus war – nicht ganz freiwillig – der erste, Phillipus machte es ihm nach und später besonders intensiv der Apostel Paulus.
Vielleicht wissen wir, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern Menschen aus jedem Volk und jedem Milieu willkommen heißt. Aber haben wir es – so wie Petrus – wirklich begriffen?