„Dafür bin ich doch noch viel zu jung“ dachte ich, als ich das erste Mal auf eine mögliche Mitarbeit für ein Zeltlager im Sommer angesprochen wurde. Schließlich war ich ja erst ein paar Monate in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. „Ich werde mal sehen, ob ich dann Zeit habe“ war meine vorläufige Antwort, um mehr Zeit für eine gute Ausrede zu gewinnen. Im Jahr darauf fragte mich der Leiter des Zeltlagers, ob ich mir eine Mitarbeit vorstellen könnte. „Glücklicherweise“ gab es dieses Mal jedoch eine Überschneidung mit einem bereits bestehenden – wenn auch nicht allzu wichtigen – Termin in meinem Kalender, so dass ich erneut eine Mitarbeit vermeiden konnte. Im folgenden Jahr bat mich dann ein Teilnehmer aus meinem Teenkreis, ihn auf das Zeltlager zu begleiten. Diesmal stimmte ich zu. Nachdem ich mich also zwei Mal erfolgreich „drücken“ konnte, meldete ich mich in jenem Jahr als Mitarbeiter für das Zeltlager an.
Bisher hatte ich immer versucht, Risiken oder mir unbekannten Situationen möglichst aus dem Weg zu gehen. Das Zeltlager war für mich eine solche unbekannte Situation, so dass sich meine Motivation hierfür im Vorfeld in Grenzen hielt und ich vielleicht sogar etwas Angst davor hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon seit mehreren Jahren eine Beziehung zu Jesus Christus, arbeitete im Teenkreis meiner Gemeinde verbindlich mit und nahm mir Zeit für Bibellese und Gebet. Trotzdem verfestigte sich bei mir der Eindruck, dass ich Jesus in meinem Leben bisher nur selten erlebt hatte. Wann war ich Jesus eigentlich das letzte Mal begegnet? In der Stillen Zeit las ich aufmerksam die Evangelien über das Leben und Wirken Jesu, wie er seine Jünger lehrte und welche Verheißungen uns im Neuen Testament gemacht werden. Aber ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals mit meinem Glauben kleine Hügel versetzt zu haben, geschweige denn irgendwelche Berge. Was war also der Grund, warum mein Wissen zwar wuchs, meine Beziehung zu Jesus aber an einem Punkt stagnierte? Wieso hatte ich Gottes Handeln in meinem Leben so selten erfahren?
Am Zeltlager nahmen ca. 150 Teenager teil, die aus Landeskirchen oder freikirchlichen Gemeinden kamen oder noch gar keine Berührungspunkte mit dem christlichen Glauben hatten. Die Teens wurden in sechs „Stämme“ aufgeteilt – Teens aus zerrütteten Elternhäusern, Jugendliche mit einschlägigen Erfahrungen mit der uniformierten Staatsgewalt sowie Teenager, die viel zu cool für ein frommes Zeltlager waren und nur auf Wunsch ihrer Eltern da waren. Die Jugendlichen aus meiner Heimatgemeinde kamen ausschließlich aus frommen Elternhäusern, hatten Respekt vor Älteren und waren überwiegend „pflegeleicht“. Für mich stellte dieses Zeltlager eine echte Herausforderung dar! Aus diesem Grund betete ich für die Woche mit den Teens und brachte auch meine eigenen Unsicherheiten vor Gott. Nie zuvor erlebte ich die Auswirkungen und die Kraft des Gebetes so intensiv wie in diesen Tagen. Mehrere Teenager bekannten, dass sie in dieser Woche ihr Leben Jesus übergeben hätten. Ein Teen aus meiner Gruppe begann auf dem Zeltlager mit Jesus einen Neuanfang. Zwischen einem Jugendlichen aus meiner Gemeinde und mir entwickelte sich in diesen Tagen ein andauerndes Vertrauensverhältnis. Wir sprachen erstmals über sehr persönliche Angelegenheiten. Auf dem Zeltlager im folgenden Jahr durfte ich ähnliche Erfahrung mit einem anderen Teen aus meiner Gemeinde machen. Zwischen uns entwickelte sich eine Freundschaft und wenige Wochen nach dem Zeltlager durfte ich ihn auf sein Glaubensbekenntnis hin taufen. Mittlerweile arbeitet er selbst in der Jungschararbeit unserer Gemeinde mit.
Obwohl ich damals bereits seit drei Jahren im Teenkreis meiner Gemeinde mitarbeitete, erlebte ich auf diesem Zeltlager erstmals persönlich mit, wie junge Menschen ihr Leben an Jesus Christus übergaben. Mehrfach erhörte Gott meine Gebete und machte Dinge möglich, die mir unmöglich schienen. Aufgrund dieser Erfahrung bin ich fest davon überzeugt, dass Gott zu den Verheißungen steht, die er den Menschen gegeben hat. Ich wurde auf dem Zeltlager Zeuge davon, wie Gebet Menschen verändert. Wenn wir den Eindruck haben, Gott in unserem Leben selten zu erleben, kann es an unserer fehlenden Bereitschaft liegen, Gottes Ruf zu folgen und die Herausforderungen, die er uns stellt, anzunehmen. Mich selbst musste Gott drei Mal auffordern, ehe ich mich der „Herausforderung Zeltlager“ stellte. Nach wie vor fällt es mir nicht immer leicht, mich mit Aufgaben in der (Gemeinde-)Mitarbeit auseinanderzusetzen. Manchmal muss ich auch über meinen eigenen Schatten springen, um ein natürliches Gespräch über meinen Glauben mit meinem Arbeitskollegen zu führen. Aber genau in diesen Situationen sind meine Erfahrungen mit Gott am intensivsten.
Manfred Hellmick
Manfred Hellmick (Jg. 1982), Kriminalbeamter, ist verheiratet und wohnt in Bremen.
Perspektive 06/08
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