Wer ist nicht im StudiVZ?! Dort trifft man sich. Entdeckt Vorlieben eines anderen, die man bisher noch nicht kannte. Dort haben wir eine Menge Freunde. Wir sind untereinander verknüpft. Doch alles vor dem Bildschirm.Und wenn wir jemanden ganz doll mögen, können wir ihn auch noch gruscheln. Aber was ist gruscheln eigentlich? Wer kann mir das erklären? „Wer-kennt-wen?“ - Mit der Zeit fi ndet man immer mehr Leute, die man anklickt, weil man sie kennt. 200 Kontakte schafft man doch locker. Eine der größten Gruppen propagiert: „Kennen heißt nicht mögen“. Aber wer mag mich denn? Danach sehne ich mich doch! Das ist doch, was ich möchte, tief in mir drin.
Wir haben noch unsere persönlichen Kontakte über ICQ. Nach der Schule oder dem Arbeitstag loggst du dich ein. Vielleicht ist ja jemand da, mit dem man ein wenig chatten kann. Und vielleicht wird es auch so persönlich, dass man mal von dem schreibt was heute nicht besonders gelaufen ist. Frust ablassen. Ein weinender Smiley zeigt deinem Gesprächspartner, dass dir vor deinem Bildschirm die Tränen in den Augen stehen. Die Antwort: ein Smiley, der dich anlächelt und sagt „Kopf hoch“. Smileys statt eines verständnisvollen Blicks, der in die Seele dringt. 200 Bekannte statt einem vertrauten Kreis von Freunden. Gekannt und akzep-tiert, aber geliebt? Freunde, aber stehen sie auch zu dir, wenn es brennt? Gegruschelt, aber in den Arm genommen?
Wir leben in einer Welt, die immer unpersönlicher wird. Obwohl man Kontakte einfacher fi nden kann. Obwohl man lesen kann, was der andere gerne für Videos schaut, treten wir nicht in Verbindung mit-einander. Und wenn wir uns doch eine Nachricht schicken, treten dann auch die Herzen in Berüh-rung? Vieles wird offener und doch bleiben wir im-mer einsamer. Isoliert vor unserem Bildschirm.
Das ist die Welt unserer Teens. Sie kommen von der Schule nach Hause, knallen den Ranzen in die Ecke und fahren den Computer hoch. Während die Pizza im Ofen ist, loggen sie sich ein und verbringen ihren Tag in der virtuellen Welt. Sie sehnen sich nach Freunden und doch verbleibt so viel in schwarzer Schrift am Bildschirm.
Unsere Teens sind einsam! Sie machen viele Dinge mit sich selbst aus. Und das in einer Lebensphase, in der sie so sehr nach Orientierung suchen. Sie sind den Kinderschuhen entwachsen doch müssen sie sich selbst erst noch fi nden. Sie suchen ihre Identität. Dazu stellen sie die Fragen: „Wer bin ich?“ „Wer liebt mich?“ „Bin ich wertvoll?“ „Was macht meinen Wert aus?“ Antworten darauf zu finden, ist nicht leicht. Es ist ein Pro-zess, der ihre Teenagerzeit überdauert.In dieser Phase des Suchens ist es darum beson-ders wichtig jemanden zu haben, dem man vertraut und bei dem man mal seine Sorgen aussprechen kann, wenn einem danach ist. Doch solche Men-schen sind nicht so einfach zu finden.
Wer hilft ihnen ihre Antwort zu finden? Wer zeigt ihnen, wie wertvoll sie sind? Wer bringt sie zu Jesus? Wer hat sie lieb? In diesem Lebensabschnitt sind nicht mehr die Eltern die ersten Ansprechpartner. Von ihnen lösen sie sich. Stattdessen suchen sie andere Bezugspersonen.
Das ist unsere Chance. Wir treffen mit ihnen zusammen in der Jugendstunde oder dem Teenkreis. Die Plattform wo wir einander begegnen ist gegeben. Sehen wir Mitar-beiter unsere Möglichkeit? Nutzen wir sie? Bauen wir Beziehungen zu unseren Teenagern auf?
Der Teeny sehnt sich nach Nähe. Vielleicht schenkt ihm eine Umarmung von dir schon eine ganze Menge! Und was kostet sie dich? Ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit. Es beginnt gar nicht damit, dass sie unser Reden brauchen, sondern einfach unsere Nähe. Manchmal wollen sie keine Ratschläge, sondern spüren, dass sie angenommen sind. Diese Wertschätzung zeigt sich konkret. Es ist eine liebevolle Geste, ein aufmunterndes Wort oder ein verstehender Blick. Es sind Kleinigkeiten, wie es scheint mit einer wichtigen Wirkung. Zeig ih-nen, dass du dich darüber freust, dass sie da sind. Frag nach, wie es heute in der Schule war, oder wie die Mathearbeit gelaufen ist. Und du wirst raus bekommen, ob vielleicht Mathe das verhasste Fach ist. Höre hinter die Worte und du wirst deine Teens kennen lernen.
Wenn sie am anderen Tag eine Arbeit schreiben, könntest du nachfragen wie es gelaufen ist, wenn ihr euch am folgenden Nachmittag beim ICQ trefft. Und so baust du Brücken zu deinen Teens. Sprecht über Musik, Sport oder Mode. Vielleicht entdeckt ihr Gemeinsamkeiten. Und schon steht ihr gemeinsam auf dem Fußballplatz, macht eine Fahrradtour oder geht bummeln. Du lädst ein paar Mädels in dein Wohnzimmer ein und ihr macht ei-nen gemütlichen DVD-Abend. Ihr erlebt gemeinsam Dinge und gewinnt so Erinnerungen die euch ver-binden. Oder wie wäre es mit einer Karte und einem Cappuccino- Päckchen für den Teen, der Pauken muss für die Abschlussprüfung? Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Du kannst gestalten, wie es zu dir und deinen Teens passt.
Schenke ihm ein Zuhause. Zuhause sein, bedeutet einen Ort zu haben an dem man willkommen ist. Es ist ein Ort, dessen Türe einem immer offen steht und an dem man sein kann, wie man ist. In sich selbst unruhig, sehnen die Teens sich besonders nach solchen Orten. Und so kannst du dein Zuhause zu einem Ort werden lassen, an dem sie sich wohl fühlen. Lade sie ein, sich einfach zu melden, wenn sie Lust haben zu kommen. Sie werden spüren, dass du es ehrlich meinst. Esst nach der Schule gemeinsam zu Mittag und während sie ihre Hausaufgaben machen, erledigst du, was für dich gerade ansteht. Kocht gemeinsam etwas. Und lass sie ruhig alle Schränke öffnen, wenn sie etwas in deiner Küche suchen – sogar die unordentlichen, auch das spricht von angekommen sein.
Und wieder kannst du an ihrem Alltag anknüpfen: „Wie geht es dir?“ – „Geht so.“ – „Willst du mehr erzählen, ich habe Zeit.“ Die Teens werden erleben, dass sie jemanden haben, mit dem sie Zeit verbrin-gen können. Sie sind nicht mehr so allein. Und sie haben jemanden, zu dem sie kommen und mit dem sie reden können. Eine Anlaufstelle, wenn sie Fragen haben. Denke dabei aber auch an deine zeitlichen Reserven. Die Teens dürfen wissen, dass sie immer kommen können, du aber auch Zeiten für dich brauchst. Wenn sie sich von dir herzlich angenommen wissen, ist es für sie auch kein Problem, wenn es gerade mal nicht geht.Ein anderes Mal kannst du sie vielleicht einfach mit einbeziehen in das, was du gerade tust. Du möchtest einkaufen? Nimm sie mit, wenn du in die Stadt fahren willst um Klamotten zu auszusuchen. Teenymädels haben meistens Spaß daran. Und so kostet es dich gar nicht mehr Zeit. Aber ihr habt Gesellschaft.
Einzigartig. Hierbei geht es nicht darum aufgesetzte Bemühungen anzustellen. Du bist von Gott einzigartig geschaffen. Und deine Einzigartigkeit kannst du in deinen Dienst einbringen. Es geht nicht darum, auf welche Art du ein besonders guter Mitarbeiter sein kannst. Entdecke dich und deine Fähigkeiten und dann sei du selbst. Du bist eine Bereicherung für die Teens. Manchmal spüren wir einen großen Druck auf uns lasten. Wir haben so viele Schwächen. Manchmal hängen wir in unserem Glaubensleben und fragen uns, wie wir so noch Vorbild sein können. Denn das sind wir für die Teenies. Sie sehen uns und schauen sich Dinge bei uns ab. Oh, oh, das hört sich nicht gut an!!! Wenn die wüssten!
Doch hier ist mir in den letzten Monaten eines aufgefallen: Manchmal stehen wir auf einem hohen Sockel. Die Teens haben uns dort hingestellt, ohne dass wir es wollen. Doch wir haben einen Einfluss darauf: Es ist an uns authentisch zu sein. Wir können ihnen auch Einblicke in unsere Schwierigkeiten geben. Ich sprach mit einer Jugendlichen über das Leid. In dem Gespräch offenbarte ich ihr ein wenig von meinen eigenen Fragen. Am Ende sagte sie zu mir, dass es gut tat zu hören, dass ich auch damit zu kämpfen habe. Weil wir es wagten einander die Seelen zu öffnen, konnten wir auf gleicher Ebene vor Gott stehen und mit ihm darüber sprechen. Das tat gut. Wir hatten mehr gewonnen, als theoretische Einsichten. Wenn wir in Freundschaften zu unseren Jugendlichen investieren wollen, kostet das Zeit. Beziehungen müssen wachsen, bis Vertrauen entsteht. Vielleicht beginnt es mit einem gemeinsamen Latte Macchiato und wächst bis zu vertraulichen Gesprächen über das Leben als Christ. Es ist wie eine Blume, die wir mit Liebe gießen und mit Sorgfalt pflegen müssen. Irgendwann wird sie auf ihre Weise blühen. Und es wird schön sein.